Climeworks / Julia Dunlop

In der Schweiz zieht eine riesige Maschine tonnenweise CO2 aus der Luft – und das könnte unser Klima retten

vor 2 Wochen

Die Schweizer Firma Climeworks eröffnete die weltweit erste kommerzielle Filteranlage, die tonnenweise Kohlenstoffdioxid aus der Luft zieht. Das ist an sich schon sehr gut, weil es der Klimaerwärmung entgegenwirkt. Doch es gibt noch einen zweiten Vorteil: Das herausgefilterte, reine CO2 kann in der Landwirtschaft, der Automobilindustrie und Lebensmittelbranche eingesetzt werden.

Begonnen hat das Ganze 2008 mit der Idee zweier Studenten. Christoph Gebald und sein Kommilitone Jan Wurzbacher wollten eine Maschine erfinden, die CO2 direkt aus der Luft filtert. Das gesammelte Kohlenstoffstoffdioxid sollte dann als Rohstoff (beispielsweise zur Düngung und zur Herstellung von Softdrinks) weiterverkauft werden. Gesagt, getan. Sie gründeten das Unternehmen Climeworks. Im Mai eröffneten sie ihre erste kommerzielle Filteranlage in der Nähe Zürichs, auf dem Dach einer Müllverwertungsanlage. So sieht die geniale Erfindung aus:

Das Climeworks Filtersystem
Die Filter stehen auf dem Dach einer Müllverwertungsanlage.
© Climeworks / Julia Dunlop

In den neun Jahren der Entwicklung hat sich viel getan. Anfangs sammelte das Filtersystem der Studenten im Labor nur einige Milliliter Kohlenstoffdioxid am Tag. Die heutige Anlage schafft täglich rund 2.460 Kilogramm – das sind knapp 900 Tonnen pro Jahr.

Die Entwickler setzen auf ein Verfahren namens „Direct Air Capture“: Ventilatoren saugen Umgebungsluft an. Die wird in drei Schiffscontainer gepumpt, mit denen 18 CO2-Kollektoren verbunden sind. In ihnen sind Filter, die das Kohlenstoffdioxid von der restlichen Luft trennen. Das könnt ihr euch so vorstellen:

So funktioniert die Filteranlage
18 Kollektoren trennen das CO2 von der restlichen Luft. Von dort gelangt es in ein Gewächshaus und düngt dort die Pflanzen.
© Cöimeworks

Nach der Filterung wird die CO2-reduzierte Luft wieder nach draußen geblasen. Das reine CO2 sammelt sich am Filter an. Um es weiterzuleiten, wird es mit der Abwärme der Müllverwertungsanlage erwärmt. Dadurch löst es sich vom Filter, wandert durch eine Leitung weiter und landet schließlich in einem nahe gelegenen Gewächshaus. Dort düngt es die Pflanzen. Die wachsen nämlich viel besser, wenn viel CO2 in ihrer Umgebungsluft ist. So ist die Ernte sogar bis zu 20 Prozent höher als ohne die Gaszufuhr.

Aber das gesammelte CO2 ist nicht nur in der Landwirtschaft hilfreich. Mittlerweile zählt auch Audi zu den Kunden von Climeworks. Der Autohersteller will das umweltschonende Filtersystem für nachhaltige Treibstoff-Synthese verwenden. Und auch große Getränkehersteller sind interessiert. Sie könnten das gewonnene CO2 für ihre kohlensäurehaltigen Softdrinks nutzen.

Das große Ziel hinter der Erfindung ist, die Klimaerwärmung zu stoppen. Die Climeworks-Gründer haben sich vorgenommen, im Jahr 2025 ein Prozent der globalen CO2-Emisionen aus der Luft zu filtern. Schon jetzt sind sie mächtig stolz auf ihr Projekt – doch zu Ende ist es noch lange nicht. Das sind die beiden Ingenieure mit den großen Traum:

Die Climeworks-Gründer
Christoph Gebald (links) und Jan Wurzbacher (rechts) wollen mit ihrem Filtersystem das Klima retten.
© Climeworks / Julia Dunlop

Nicht jeder hat das Zeug dazu, eine neue Technologie gegen den Klimawandel zu entwickeln. Aber es hilft auch schon, wenn wir ein paar kleine Dinge anders machen. Das dachte sich auch ein Münchner Start-Up, das umweltschonende und robuste Blatt-Teller herstellt. Wir haben uns angesehen, was dahintersteckt:

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