via Flickr/Otis Historical Archives National Museum of Health and Medicine/CC BY 2.0

Eines der kontroversesten Elektroschock-Experimente wurde gerade wiederholt

vor 2 Wochen

Das Milgram-Experiment aus den 1960er Jahren gilt als eines der umstrittensten in der Geschichte der Sozialexperimente. Es geht um Elektroschocks und wie weit Menschen gehen würden, wenn sie von einer Autoritätsperson dazu angeleitet werden, einer fremden Person solche zu verpassen – im Namen der Wissenschaft. Dieses Experiment wurde jetzt wiederholt. Und die Ergebnisse sind erschreckend.

Hat man Sozialwissenschaften studiert, hat man in der Uni vom Milgram-Experiment gehört. Es wurde vom Psychologen Stanley Milgram entwickelt und erstmals 1961 durchgeführt. Damit sollte eigentlich herausgefunden werden, ob die Millionen Nazis „nur“ den Befehlen ihrer Vorgesetzten gefolgt sind.

Im Experiment wurde getestet, wie weit „normale“ Personen gehen würden. Die Versuchspersonen, die als „Lehrer“ fungierten, wurden dazu in einen Raum geführt und bekamen eine Autoritätsperson – den Versuchsleiter – an die Seite gestellt. In einem zweiten Raum saß ein „Schüler“, der bestimmte Aufgaben erledigen musste (Wortpaare bilden). Bei jedem Fehler sollte der „Lehrer“ dem „Schüler“ per Knopfdruck einen elektrischen Schlag verpassen. Die Intensität der Stromstöße wurde bei jedem Fehler gesteigert. Der Lehrer konnte seinen Schüler nicht sehen, aber hören. Obwohl dieser vor Schmerzen schrie und darum bat, aufzuhören, wurde der Lehrer vom Versuchsleiter angetrieben, immer heftigere Stromstöße auszulösen – im Namen der Wissenschaft.

Was der „Lehrer“ nicht wusste: Er war die einzige Versuchsperson, die unter einem falschen Vorwand angelockt wurde. Alle anderen waren Schauspieler und natürlich bekam der Schüler nicht wirklich Stromschläge. Das Erschreckende ist jedoch das Ergebnis. Denn 65 Prozent der Versuchspersonen  nutzen alles, was ihnen an Strom zur Verfügung stand, begonnen bei 15 Volt bis hin zu 450 Volt. Dabei wurde darauf geachtet, dass sie vom Versuchsleiter nicht dazu gezwungen, aber bestimmt darauf hingewiesen wurden, dass es für das Experiment das Beste sei, sie würden weitermachen.

Dass dieses Experiment zu Diskussionen und Kontroversen führte, könnt ihr euch vorstellen.

Das Experiment wurde schon in ähnlicher Form nachgemacht. Nie aber in Europa. Bis jetzt. Forscher der SWPS University of Social Sciences and Humanities in Polen haben das Experiment über 50 Jahre später wiederholt.

In dieser Variante wurden 80 Testpersonen (40 Frauen, 40 Männer) zwischen 18 und 69 Jahren eingeladen. Das Experiment wurde sehr ähnlich aufgesetzt – mit „Schüler“, „Lehrer“ (die eigentliche Testperson) und Versuchsleiter. Im Gegensatz zum Original gab es wesentlich weniger Köpfe, die die Stromschläge auslösten. Aus ursprünglich 30 wurden zehn. Die Voltzahlen waren geringer.

Das Ergebnis: 90 Prozent der Testpersonen verabreichten die höchstmögliche Dosis an Elektroschocks. Die polnischen Wissenschaftler sind erstaunt über die Ergebnisse und wie leicht sich Menschenen manipulieren lassen, blind Befehle auszuführen.

Wie bei Milgrams Experiment damals schon kann man die Ergebnisse auch heute nicht verallgemeinern, da es nur eine kleine Zahl an Testpersonen gab. Eigentlich wollten die Forscher herausfinden, ob es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab. Tatsächlich haben sich die Testpersonen drei Mal häufiger gewehrt, wenn sie einer Frau die Stromschläge hätten verpassen müssen. Um dieses Ergebnis generalisieren zu können, war die Stichprobengröße aber zu klein.

Während das zum Glück nur ein Experiment war, wurde früher tatsächlich viel in der Medizin experimentiert. Und das ist gruselig und faszinierend zugleich. Wir begeben uns auf eine Zeitreise und stellen euch die Diagnosearten und Behandlungen in alten, finsteren Zeiten vor:

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