Mit dieser interaktiven Karte setzen Angehörige von Drogentoten ein Zeichen
Esri/Jeremiah Lindemann

Mit dieser interaktiven Karte setzen Angehörige von Drogentoten ein Zeichen

vor 4 Monaten

Eine Karte, in die Drogentote eingezeichnet werden, klingt erstmal ziemlich makaber. Fast täglich werden weitere Verstorbene aus ganz Nordamerika hinzugefügt. Dahinter steckt eine außergewöhnliche Geschichte, die Menschen die Augen öffnen will.

Was würdest du tun, wenn ein Freund oder ein Familienmitglied stirbt? Würdest du in stiller Trauer an ihn oder sie denken oder die Geschichte öffentlich erzählen? Jeder Tod ist schlimm und Menschen gehen unterschiedlich damit um.

Unter dem Namen „Celebrating Lost Loved Ones“  wurde in den USA eine interaktive Karte geschaffen, auf der Familie und Freunde ihre verstorbenen Liebsten verzeichnen können. Neben Informationen zum Wohnort der Toten gibt es auch Fotos von ihnen. Mit zum Teil sehr emotionalen Kurzbiografien erzählen Hinterbliebene, wie sehr sie die Verstorbenen vermissen.

Das Außergewöhnliche an der Karte: Eingetragen sind nur Menschen, die an Drogen gestorben sind. Egal, ob an Alkohol, Heroin oder Pillen – und nicht alle waren abhängig, Junkies oder haben sich freiwillig dazu entschieden. Hinter jedem Verlust steckt eine emotionale Geschichte, die die Hinterbliebenen mit dieser Karte erzählen:

Aber was genau steckt dahinter?

Alles fing mit Jeremiah Lindemann aus der Kleinstadt Laramie in Wyoming an. Sein Bruder, der damalige 22-jährige T.J. Lindemann, verstarb vor neun Jahren an einer Überdosis Schmerzmitteln. Jeremiah rief daraufhin die Karte ins Leben und teilte sie öffentlich.

Jeremiah ist Mitarbeiter des Softwareunternehmens Esri, das digitale Karten entwickelt. Seit Jahren programmiert er Karten für Unternehmen zu den unterschiedlichsten Themen. So kam er auf die Idee, eine „Toten-Karte“ in Gedenken an seinen kleinen Bruder zu erstellen. Seine Botschaft: Mit „Celabrating Lost Loved Ones“ sollen Angehörige von Drogenopfern die Möglichkeit bekommen, gemeinsam zu trauern und den Verstorbenen zu gedenken.

Karte bildet gesellschaftliches Problem ab

Darüber hinaus steckt hinter der Karte eine gesellschaftliche Botschaft: Häufig wird geglaubt, dass Drogenprobleme nur Junkies, Obdachlose oder Kleinkriminelle haben. In die Anhängigkeit rutschen aber auch „normale“ Menschen. Durch das Verlinken wird dem Problem ein Gesicht gegeben.

Die Geschichten hinter den Kartenpunkten sind dabei genauso unterschiedlich, wie die einzelnen Gesichter selbst. Hinter ihnen verstecken sich die verschiedensten Menschen: Eltern, Großeltern, Töchter, Söhne, Enkelkinder, Nachbarn oder Geschwister. Sie alle verloren ihr Leben an Drogen.

Dabei spielen nicht nur „harte Drogen“ wie Heroin, Crystal Meth oder Kokain eine tragende Rolle. Auch rezeptpflichtige Medikamente und Missbrauch von Schmerztabletten sind häufige Beispiele, die zur Anhängigkeit führen und tödliche Folgen haben können. Schmerztabletten dienen in den USA zum Beispiel oft als Einstiegsdroge, mit welcher viele Heroin-Abhängigen starten.

Angehörige möchten mit der Karte in Zukunft Menschenleben retten. Sie wollen andere durch die Geschichten warnen, das Problem bewusst machen. Sie sind über ganz Nordamerika verstreut. Das zeigt auch, dass der Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamenten und Drogen nicht nur Großstädte und soziale Brennpunkte betrifft, sondern uns alle.

Wie hart es ist aus der Drogenabhängigkeit zu entkommen und in ein neues Leben zu starten, zeigen wir dir hier. Im Video erzählt ein Ex-Junkie seine tragische Geschichte:

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