Unheimliche 11.000 Jahre alte Knochenfunde offenbaren bizarren Schädelkult
Deutsches Archäologisches Institut

Unheimliche 11.000 Jahre alte Knochenfunde offenbaren bizarren Schädelkult

vor 3 Monaten

Ein steinzeitlicher Kultplatz in der Türkei offenbart einen uralten Totenkult, in dem Schädel abgetrennt und verziert wurden. Nun wollen Wissenschaftler herausfinden, was genau die Bewohner damals dazu trieb, die Köpfe ihrer Verwandten und Feinde aufzubewahren.

Göbekli Tepe liegt auf einem Hügel im Südosten der Türkei, eine gute Stunde von der syrischen Grenze entfernt. Seit den 90er-Jahren ist es eine wichtige archäologische Ausgrabungsstätte. Außerdem ist es einer der ältesten Orte, die mit rituellen Handlungen in Verbindung gebracht werden. So sieht es von oben aus:

Als Göbekli Tepe noch von Menschen genutzt wurde, war es ein Tempel. Das rituelle Zentrum wurde noch in der Steinzeit errichtet, ungefähr 9.000 vor Christus. Damit ist es ganze 6.000 Jahre älter als Stonehenge. Wenn man sich Göbekli Tepe genauer ansieht, entdeckt man dort riesige Pfeiler und eindrucksvolle Steinkreise:

Einer der Steinkreise in Göbekli Tepe
In der Tempelanlage gibt es mehrere kreisförmige Steinformationen und Säulen.
© Deutsches Archäologisches Institut

Und wenn man den Ort noch detaillierter untersucht, findet man dort zehntausende Tierknochen. Doch nicht nur das. Allein in dem Füllmaterial der großen Steinkreise wurden bisher 700 menschliche Knochenfragmente entdeckt. An ihnen ist etwas seltsam: Erstens stammen ganze 408 der 700 gefundenen Knochenstücke von Schädeln. Zweitens fand man kein einziges vollständiges Skelett – dafür aber ungewöhnliche Veränderungen an den Knochen.

40 der Fragmente tragen Spuren von oberflächlichen Schnitten, die darauf schließen lassen, dass Haut und Muskeln von ihnen abgezogen wurden. Zwei der sieben gefundenen Nackenwirbel deuten auf eine Enthauptung hin. Mehrere Schädel sind von tiefen, langen Einkerbungen durchzogen.

Details der Schädelfragmente
Man kann klar erkennen, wo der Feuerstein einschnitt.
© Deutsches Archäologisches Institut

An den roten Linien seht ihr, wie die Schnitte angeordnet sind:

Schema der Schädel
Laut den Forschen nehmen die absichtlichen Einkerbungen auf den Schädelknochen viel Platz ein und befinden sich an unterschiedlichen Stellen.
© Deutsches Archäologisches Institut

Was steckt dahinter? Die Anthropologen des Deutschen Archäologischen Instituts untersuchten die gefundenen Knochen ganz genau und meinen, darauf eine Antwort gefunden zu haben. Demnach wurden die Kerben absichtlich mit einem Feuerstein mitten in die Schädel geschnitten, ungefähr so wie in dieser Nachstellung:

Nachahmung der Einkerbungen
Das Deutsche Archäologische Institut zeigt, wie die tiefen Ritzen in die Schädelknochen kamen.
© Deutsches Archäologisches Institut

Außerdem wurde in einige an der höchsten Stelle ein Loch gebohrt. Untersuchungen zeigen, dass die Menschen zu dem Zeitpunkt schon tot waren.

Und wozu dienten die Schnitte? Dafür haben die Forscher zwei Theorien – und die sind beide ganz schön unheimlich. Laut der ersten könnten die länglichen Einkerbungen eine Halterung für Schnüre sein, mit denen man den Unterkiefer am Schädel festband. Damit die Kopfknochen nicht einfach so auseinander fielen. Und das eingebohrte Loch könnte dazu gedient haben, den Kopf aufzuhängen. Womöglich waren sie eine Art Dekoration oder gehörten zu geliebten Menschen, die verstorben waren und nach ihrem Tod verehrt wurden.

Die zweite Theorie ist, dass die Einritzungen bestimmte Symbole waren. Demnach seien sie dazu da, die Toten zu stigmatisieren. Es ist denkbar, dass man die Köpfe seiner Feinde so kennzeichnete und als Warnung oder Siegeszeichen ausstellte.

Natürlich ist es auch möglich, dass beide Vermutungen richtig sind. Eines ist ganz klar: Die mit Feuerstein bearbeiteten Schädel waren Teil eines altertümlichen Kults und Bestandteil wichtiger Rituale. Und das ist eine riesige Entdeckung – bisher war nämlich noch nicht klar, dass es so etwas schon vor 11.000 Jahren gab, also während oder sogar vor der dem Beginn der Landwirtschaft. Und in Göbekli Tepe gibt es weitere Indizien dafür, dass Köpfe für die Besucher der Kultstätte eine besondere Bedeutung hatten: Figuren mit abgerissenen Köpfen und eine kniende Statue, die einen Menschenkopf in den Händen hält.

Nach diesem Fund muss aus jeden Fall überdacht werden, was man bisher über Kulte der Steinzeit zu wissen glaubte. Aber was weiß man überhaupt über das Leben zu dieser Zeit? Wir wollen es herausfinden und machen das Experiment: Eine Gruppe von Archäologen verzichtet für sechs Wochen freiwillig auf die Errungenschaften der Neuzeit, um am eigenen Leib zu erfahren, wie man vor 7.000 Jahren gelebt hat. Wie sie damit klarkommen, seht ihr hier:

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