Forscher finden die älteste Zahnfüllung der Welt
Stefano Benazzi

Forscher finden die älteste Zahnfüllung der Welt

vor 4 Monaten

Ob Menschen in der Steinzeit wohl auch Angst vorm Zahnarzt hatten? Möglich, denn Wissenschaftler in Norditalien fanden  jetzt eine 13.000 Jahre alte Zahnfüllung. Ihr Inhalt besteht aus sehr ungewöhnlichen Materialien, die wirklich niemand gerne im Mund haben möchte.

Zugegeben, mit 13.000 Jahren ist die Zahnfüllung nur der zweitälteste Beweis dafür, dass es zahnärztliche Behandlungen in der Steinzeit gab. Das gleiche Forscherteam von der Universität Bologna entdeckte bereits vor ein paar Jahren 14.000 Jahre alte Zähne mit Füllungs-Vertiefungen. Der Inhalt wurde damals aber nicht gefunden, nur die Ausbuchtungen im Zahn lieferten Hinweise auf erste Operationstechniken. Neben dem Zahnbohrer der Steinzeit wurde jetzt auch die älteste Steinzeit-Zahnfüllung gefunden.

Die Forscher fanden die Füllung in zwei oberen Schneidezähnen. Unüblich dabei: jeder Zahn hat ein tiefes Loch, das fast den kompletten Innenraum ausfüllt. Die Löcher wurden vermutlich mithilfe von kleineren Stein-Instrumenten hinein geschlagen. Darauf deuten längliche Einbuchtungen an den Zahninnenwänden hin. Eine sehr schmerzhafte Behandlung, vor allem wenn sie wie damals ohne Narkose  gemacht wird.

Füllung aus Bitumen, Haaren und Pflanzen

Auch der Inhalt der Füllung ist eigenartig. In gewisser Weise aber auch sehr fortschrittlich. Überwiegend besteht sie aus Bitumen (ein aus Erdöl gewonnener Teer, der häufig zur Isolierung und Abdichtung verwendet wird). Dazu wurden in dem Gemisch auch Pflanzenfasern und Haare gefunden.

Zumindest die Pflanzenfasern können sich Fortscher erklären. Dabei könnte es sich um Heilpflanzen handeln, die als Antiseptikum und zur Abwehr von bakterielle Entzündungen eingesetzt wurden. In jüngeren Funden wurde dazu häufig Bienenwachs verwendet. Was die Haare in der Füllung suchen, können sie sich dagegen nicht erklären.

Klar ist, dass der Eingriff einige Zeit vor dem Tod des Patienten gemacht wurde. Außerdem wurden Bohrung und Füllung zum gleichen Zeitpunkt durchgeführt. Dies beweist, dass es sich bei dem Fund tatsächlich um eine zahnärztliche Behandlungsmethode handelt. Mit dem Eingriff wurde schließlich verhindert, dass Essensreste in die Zahninnenräume gelangen und Schmerzen entstehen.

Dentale Behandlungsmethoden gab es schon vor eigentlichen Zahnproblemen 

Bislang sahen Wissenschaftler vor allem die systematische Produktion von Lebensmitteln wie Honig und Getreide als Schlüsselereignis für die Entstehung und den Anstieg von Zahnproblemen. Die Zahnfüllung aus Norditalien ist allerdings viel älter und beweist, dass es schon früher als gedacht zahnärztliche Praktiken gab.

Warum brauchten Steinzeitmenschen dann überhaupt solche Zahnbehandlungen? Eine möglich Erklärung: zu der Zeit in der die Füllung gemacht wurde, wanderten immer mehr Menschen aus dem Nahen Osten nach Europa. Dadurch kamen auch neuartige, karies-verursachende Lebensmittel wie Honig an den Steinzeitmann und an die Steinzeitfrau.

Zum Steinzeit-Zahnarzt musste unser Reporter zwar nicht, das Leben vor 7000 Jahren hatte es aber trotzdem in sich. Gemeinsam mit einem Archäologenteam wagt er das Experiment: jagen für den Hunger, kein Internet oder andere elektronische Geräte. Welche Erfahrungen er genau gemacht hat, könnt ihr euch in diesem Video ansehen.

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