Erstmals wurde ein Höhlenfisch in Europa entdeckt – im Bodensee
dpa

Erstmals wurde ein Höhlenfisch in Europa entdeckt – im Bodensee

vor 5 Monaten

Kleine Augen, fast durchsichtig und wenige Zentimeter groß. Dafür aber eine Sensation: die Schmerle. Ein Höhlenfisch, der nun zum ersten Mal in Europa entdeckt wurde – im Bodensee.

Auf den ersten Blick ist der kleine Fisch unscheinbar. Die Adern schimmern durch die fahle und durchsichtige Haut. Er dreht seine Runden in einem Becken des Limnologischen Instituts der Universität Konstanz. Hier versuchen die Forscher hinter das Geheimnis des Fischs zu kommen. Denn Höhlenfische sind evolutionsbiologisch interessant. Sie haben sich im Lauf der Jahrzehnte von anderen Fischen abgesondert und sich – abgeschottet von der Außenwelt – weiter entwickelt.

Ein steinalter Fisch

Bisher gingen Zoologen davon aus, dass während der Eiszeit nördlich des 41. Breitengrades alle Süßwasserläufe in Bergen und Seen zugefroren waren. Höhlenfische konnten hier faktisch nicht überleben. Darum ist diese Entdeckung auch so sensationell. Die Untersuchungen ergaben, dass der Höhlenfisch aus dem Bodensee 20.000 Jahre alt ist. Ende der Würmeiszeit ist er aus der Donau in das Höhlensystem bei Aach in Konstanz eingewandert.

Höhlenfisch
Dieser Höhlenfisch hat seine Wurzeln in der Würmeiszeit
© Universität Konstanz

Seitdem hat sich der Fisch an das Leben in dunklen Höhlen angepasst. Über die Jahre haben sich die Augen verkleinert, damit die Schmerle möglichst viel Energie spart. Die Nasenlöcher sind größer und die Barteln am Maul haben sich verlängert. So kann das Tier besser riechen und schmecken. Die Anpassung war nötig: Denn Höhlen-Lebensräume sind dunkel, oft extrem nährstoffarm und das Nahrungsangebot ist gering.

Unübersehbar: Die Tiere haben zusätzlich ihre Farbe verloren. Normal sind Schmerle auf dem Rücken graubraun oder grünlich, die Seiten sind gelbbraun mit einer dunklen Marmorierung und die Bauchseite ist grauweiß bis gelblich.

Das dunkle Geheimnis eines Fischs

Der Hobby-Höhlentaucher Joachim Kreislmaier entdeckte 2015 in einem Höhlensystem im Bodensee einen seltsamen Schwarm Fische. „Ich hatte starke Lampen dabei, weil ich fotografieren wollte. Als ich die Fische angeleuchtet habe, habe ich an der Seite die Blutgefäße durchschimmern sehen. Sie waren deutlich weniger pigmentiert als Seefische. Da war mir klar, das ist etwas Besonderes.“ Und damit hatte er Recht. Ein Wunder, dass er den durchsichtigen Fisch im Dunkeln überhaupt entdeckt hat.

Fundort des Höhlenfisch
Sensationeller Höhlenfisch im Bodensee
© dpa

Auf die Bitte der Universität Konstanz wagte sich der Taucher nochmal in das stark verzweigte Höhlensystem und brachte eine Schmerle mit. In einem Aquarium an der Universität Konstanz schwimmt er jetzt seine Runden und wird unter die Lupe genommen. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie sich der Fisch verhält, ob er einen anderen Tag-Nacht-Rhythmus hat und wo er Nahrung und Paarungspartner findet.

Genauso verrückt wie der Höhlenfisch, aber deutlich schöner: Der Riesengoldfisch. Richtig: ein Goldfisch, der so groß ist wie ein Karpfen und in einem Gebirgssee lebt. Seht ihn euch hier an:

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen: