Der erste Test, der Schizophrenie und Depressionen unterscheiden kann
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Schizophrenie und Depressionen können jetzt durch einen Test unterschieden werden

vor 6 Monaten

Schizophrenie und Depressionen waren bisher nicht klinisch unterscheidbar. Nun gelang Forschern der Durchbruch: Sie entwickelten den ersten Test, der die beiden Krankheiten klar identifizieren kann.

Bei einer schizophrenen Störung und Depressionen läuft im Kopf etwas falsch. Das soll an einer bestimmten Genvariante liegen. Die sorgt dafür, dass einige Gehirnregionen nicht mehr korrekt zusammenarbeiten können. Darunter leiden das Gedächtnis und die Handlungsfähigkeit.

Dabei sehen die beiden Krankheiten oft ähnlich aus, vor allem im Frühstadium. Dann zeigen Betroffene fast die gleichen Symptome: Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen, schlechte Laune. Eine genaue Unterscheidung ist erst bei akuten Zuständen wie Verfolgungswahn möglich. Und selbst dann nicht zweifelsfrei.

Deshalb suchten Forscher seit Langem nach einem fehlerfreien Test. Die Biologie des Gehirns sollte ihnen Antworten liefern. Nun gelang ihnen mit einem Experiment der Durchbruch.

Infusion
Zu Beginn des Tests wird den Patienten eine Salzwasserlösung verabreicht.
© via pixabay / CC0 Public Domain

So lief die Studie rund um die Yale-Wissenschaftlerin Handan Gunduz Bruce ab: Zunächst gaben die Forscher einer Auswahl an Patienten eine Infusion. Darin befand sich eine hochkonzentrierte Salzlösung. Diese bringt den Körper dazu, ein bestimmtes Hormon namens AVP auszuschütten. Wie viel davon gebildet wird, ist von einem Zwischenschritt abhängig: Dem NMDA-Rezeptor. Der bestimmt, wie viel AVP tatsächlich hergestellt wird.

Das ist auch schon der Knackpunkt des Experiments. Bei Menschen mit schizophrener Störung oder Depressionen funktioniert der NMDAR nämlich anders. Deshalb werden auch unterschiedliche Mengen des AVP-Hormons ausgeschüttet.

Eine Blutprobe
Bald wird man Schizophrenie und Depression mit einer einfachen Blutuntersuchung unterscheiden können.
© via Pixabay / CC0 Public Domain

Bei Menschen mit Schizophrenie reagiert der Rezeptor eher träge. Daher schütten sie ungewöhnlich wenig AVP aus. Bei Patienten mit Depression passiert genau das Gegenteil. Ihr Rezeptor ist umso aktiver. Daher wird eine sehr viel höhere Menge AVP freigesetzt.

Der Test ist also relativ einfach: Man gibt Betroffenen eine Infusion. Anschließend misst man, wieviel AVP sie im Blut haben. Ist es stark über dem Normalwert, lässt das auf Depressionen schließen. Eine sehr geringe Menge deutet auf Schizophrenie hin.

Der nächste Schritt ist, diesen Test zugänglich zu machen. Bisher ist er noch auf das Forschungslabor begrenzt. Doch schon bald soll er frühere und genauere Diagnosen ermöglichen. Davon haben vor allem Betroffene im Frühstadium etwas. Die können dann ihrer Krankheit entsprechend behandelt werden.

Was Wissenschaftler von den Vorgängen im Gehirn lernen können, ist wirklich verblüffend. Besonders einzigartig ist übrigens ein spezielles Gehirn: das von Henry Mareiles. Warum? Das erfahrt ihr im Video:

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