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Kopftransplantations-Arzt repariert zum ersten Mal erfolgreich Rückenmark von Mäusen

vor 1 Woche

Eine der umstrittensten Operationen überhaupt rückt immer näher: Der italienische Neurowissenschaftler Sergio Canavero möchte dieses Jahr die erste Kopftransplantation am Menschen durchführen. Aktuell testet er seine umstrittene Forschung an Tieren. Nun ist ihm ein weiterer, großer Schritt gelungen: Zum ersten Mal konnte er das Rückenmark einer Gruppe von Mäusen trennen und es danach erfolgreich wieder zusammenfügen.

Update vom 16. Juni 2017

Das erfolgreiche Zusammenfügen des Rückenmarks ist die Voraussetzung für eine gelungene Kopftransplantation – und genau das zweifeln viele Forscher an. Um ihnen zu beweisen, dass durchtrenntes Rückenmark nicht irreparabel ist, führte Canavero das folgende Experiment durch.

Er teilte die Mäuse in zwei Gruppen mit einmal neun und einmal sechs Mäusen auf. Allen Mäusen wurde dann ihr Rückenmark, also die Nerven-Verbindung zwischen Gehirn und dem restlichen Körper, durchtrennt. Die größere Gruppe der Mäuse wurde dann mit einer bestimmten Art von Plastik, Polyethylenglycol, abgekürzt auch PEG genannt, behandelt. Canavero bezeichnet dieses Plastik in einem TEDx Talk auch als „natürlichen biologischen Kleber“. Die andere Gruppe hingegen erhielt kein spezielles Medikament, welches ihr Rückenmark wieder zusammenkleben würde. Daraufhin wurden die Wunden aller Mäuse wieder zugenäht und beide Gruppen erhielten 72 Stunden lang Antibiotikum.

Nach dem Eingriff brauchten die Mäuse, die mit dem PEG behandelt wurden, etwa 28 Tage, bis sie ihre motorischen Fähigkeiten wiedererlangt hatten und laufen konnten. Trotzdem lebten alle Mäuse nach der Operation nicht länger als einen Monat. Canavero sieht sein Experiment trotz der kurzen Lebensdauer der Mäuse als geglückt an – schließlich konnte er so beweisen, dass durchtrenntes Rückenmark mit seiner Methode wieder repariert und die motorischen Fähigkeiten wiederhergestellt werden können.

Die Mäuse der Kontrollgruppe konnten ihre Körper hingegen nicht mehr bewegen – weshalb sie kurz nach dem Eingriff starben. Das gleiche, grausame Experiment will Canavero in den kommenden Monaten auch mit Hunden durchführen, damit die Kopftransplantation schließlich – und Canaveros Voraussagen nach noch in diesem Jahr – auch am Menschen durchgeführt werden kann.

Update vom 03. Mai 2017

Dieses Jahr soll Geschichte geschrieben werden: die erste Transplantation eines menschlichen Kopfes auf einen Spenderkörper. Und sein Name soll im Geschichtsbuch daneben stehen: Sergio Canavero. Auf seinem Weg dorthin gelang ihm bereits jetzt Einzigartiges. In seinen Experimente transplantierte er Tierköpfe auf fremde Körper. Was sich anhört wie ein Horrorfilm, ist Realität: Die Tests waren erfolgreich. Zumindest legen das die veröffentlichten Fotos nahe:

Ein schräges Tierexperiment
Die Forscher verbanden einen abgetrennten Rattenkopf mit einem anderen Körper.
© Copyright: CNS

Tatsächlich waren nicht nur zwei, sondern gleich drei Tiere für die Transplantation notwendig:  Die kleinere „Spenderratte“, die „Empfängerratte“ und eine dritte, die das Fließen des Blutes sicherstellte. Hier seht ihr, wie sie ursprünglich aussahen:

Vorbereitung zur Kopftransplantation
Für das extreme Experiment wurden aus drei Ratten zwei gemacht.
© Copyright: CNS

Obwohl die meisten zweiköpfigen Ratten nach der OP innerhalb von 36 Stunden starben, sieht Canavero die Tests als Erfolg. Sein Ziel war nicht, die Tiere am Leben zu erhalten. Ihm ging es nur darum, einen Beweis dafür zu liefern, dass sein Plan funktionieren kann. Schließlich will er noch dieses Jahr mit Experimenten am Menschen beginnen und hat auch schon den ersten Kopf-Spender gefunden. Die geglückten Versuche an Ratten zeigen laut Canavero, dass ein vollständiger Erfolg seiner Operationen schon in Sicht ist.

Natürlich bleiben viele Aspekte des Vorhabens fraglich. In vielen Ländern wäre eine solche Operation an Menschen illegal. In anderen wäre sie aber durchführbar. Viele Kollegen des Arztes bewerten den Plan als in höchstem Maße unethisch. Außerdem warten unzählige Risiken auf den Spender des Kopfes. Und wer wird  seinen Körper für so etwas hergeben?

Wir bleiben jedenfalls dran und werden versuchen, den Spender vor seiner OP zu begleiten. Mehr dazu seht ihr bald auf Galileo.

Originalmeldung vom 21. November 2016

Bei den meisten Menschen löst Canaveros Vorhaben im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschütteln aus. Doch der Italiener ist noch immer fest entschlossen und möchte 2017 die erste Kopftransplantation überhaupt durchführen. Er glaubt, dass er die richtige Methode gefunden hat, um Kopf und Körper zweier Menschen erfolgreich zu verbinden, worüber wir hier bereits berichtet haben. Die meisten seiner Kollegen sind allerdings skeptisch und sprechen sich vehement gegen die Operation aus.

Mit Valery Spiridonov hat Canavero aber bereits einen Menschen gefunden, der seinen Kopf zur Verfügung stellen möchte. Seit seiner Geburt leidet der 32-Jährige Russe an einer spinalen Muskelathropie, einer Form von Muskelschwund. Betroffene dieser Krankheit verbringen die letzten Jahre ihres Lebens nahezu bewegungsunfähig im Rollstuhl. Für Valery wäre die Operation also die einzige Chance auf einen gesunden Körper, den er frei bewegen kann – zumindest, wenn die Transplantation gelingt.

Um seinen Schützling auf das neue Leben ohne Rollstuhl vorzubereiten, möchte Sergio Canavero ihn mit Hilfe einer Virtual-Reality-Maschine an den neuen Körper gewöhnen. Diese Maschine wurde erst vor kurzem auf einer Konferenz in Glasgow vorgestellt. Entwickelt wurde sie von Inventum Bioengineering Technologies, einem Unternehmen aus Chicago. Sie wurde speziell für Patienten vor einer Kopftransplantation entworfen, um sie auf den Schock nach der Operation vorzubereiten. Schließlich sehen sie sich selbst dann zu ersten Mal mit dem Körper eines fremden Menschen.

Alles deutet daraufhin, dass die Kopftransplantation wirklich stattfinden wird. Canavero glaubt, dass er die Operation Ende 2017 in Großbritannien durchführen kann, wie er auf der Konferenz in Glasgow verkündete. Von britischen Chirurgen habe er den meisten Zuspruch bekommen, so dass er sicher ist, dass er hier seine Kopftransplantation durchführen wird.

Die meisten Experten äußern sich eher kritisch zu Canaveros Vorhaben. Neben ethischen Gründen glauben viele nicht, dass die OP gelingen wird und Valery entweder sterben wird oder den neuen Körper nicht bewegen kann. Christopher Hooten gab im Independent außerdem zu bedenken: „Einen Kopf mit einem fremden Körper zu verbinden (inklusive Rückenmark, Halsvene etc.) könnte zu einer bis dahin noch nie dagewesenen Qualität von Wahnsinn führen.“ Man stelle sich das auch mal vor: Valery Spiridonov wird nach seiner Operation (hoffentlich) aufwachen und an sich selbst den Köper eines wildfremden, toten Menschen sehen. Aber hoffen wir mal, dass für Spiridonov alles gut geht, wenn er die Frankenstein-Operation über sich ergehen lässt.

Vielleicht gelingt die OP ja auch und wird zu einem echten medizinischen Meilenstein. Davon gab es in den letzten Jahrhunderten ja einige. Aber wie entstand eigentlich das Berufsfeld des Arztes? Wie sahen die Behandlungen früher aus? Im Video zeigen wir es euch, in einer spannenden Zeitreise durch die Geschichte der Medizin:

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