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Es gibt einen Namen für das eklige Gefühl, wenn jemand an der Tafel kratzt

vor 4 Monaten

Es ist ein Gefühl zwischen Ekel, Angst und definitiv Ablehnung, wenn jemand mit den Fingernägeln an einer Tafel kratzt. Dieses Gefühl soll jetzt nicht nur einen Namen bekommen, sondern sogar als eigene Emotion klassifiziert werden.

Für mich ist es auf jeden Fall das Schlimmste, wenn jemand an einer Tafel kratzt. Uäh. Schon beim Schreiben bekomme ich Gänsehaut, weil ich unweigerlich dran denken muss, wie abartig ich dieses Geräusch finde. Andere wiederum lässt das ziemlich kalt. Ihnen stellen sich die Nackenhaare auf, wenn jemand mit der Gabel auf einem Teller kratzt. Definitiv auch eklig. Mein Kollege rastet aus, wenn zwei Styroporplatten aneinander gerieben werden. Das quietscht dann ziemlich abartig.

Okay, okay, ihr wisst nun alle, was ich meine. Aber wie bezeichnet ihr dieses Gefühl? Ein richtiges Wort gibt es dafür nicht. Zumindest nicht im Deutschen oder Englischen. Im Spanischen gibt es schon immer einen Ausdruck dafür: Grima. Übersetzt heißt das etwa „Schauder“. Aber nicht nur. Es bringt all diese Emotionen zusammen, die wir bei den ekligen Geräuschen empfinden.

Während Grima in spanischsprachigen Ländern also ganz normal ist, fordern Psychologen jetzt, dass es als eigene Emotion klassifiziert werden soll. Denn irgendwie ist es das ja.

Die Psychologin Inge Schweiger Gallo kam auf die Idee, eine Studie zu Grima durchzuführen, weil sie selbst sich extrem vor Schaumstoff ekelt. In den Studien-Ergebnissen legt sie nahe, dass dieses merkwürdige Gefühl eine eigene Emotion – anders als Ekel – ist und dementsprechend auch einen eigenen, offiziellen Namen bekommen sollte. Außerdem stellte sich heraus, dass man diese „Angst“ ausblenden kann. Im Gegensatz zu Ekel ist es kein „Reflex“ sondern eine emotionale Reaktion.

In der Studie wurden spanische Muttersprachler gefragt, was genau Grima für sie bedeutet und wie es sich anfühlt. Die häufigsten Begriffe waren „unangenehm“, „erschaudernd“, „Abscheu“ aber auch „Geräusch“ und „anfassen“. Dann sollten die Testpersonen die Emotion mit Ekel vergleichen. Das Ergebnis: Grima ist schlimmer.

Im Anschluss wurden englisch- und deutschsprachige Personen gefragt.  Ihnen wurden Grima-Geräusche vorgespielt und die Herzfrequenz gemessen: Sie sank kurz ab, wurde dann kurzzeitig sehr heftig und normalisierte sich nach etwa sechs Sekunden. Wurden ihnen Geräusche vorgespielt, die man gemeinhin als ekelhaft einschätzt, zeigte sich ein anderes Muster in der Herzfrequenz: Sie brach viel heftiger ab, bevor sie wieder normal wurde.

So fanden die Forscher heraus, dass Grima eine emotionale Reaktion war, keine reflexive. Das bedeutet, wir können Grima unterdrücken. Dazu wurden die Spanier trainiert. Ihnen wurden Grima-Töne und eklige Geräusche vorgespielt. Die Herzfrequenz veränderte sich: die Grima-Töne kamen ihnen nun weniger schlimm vor, die Reaktion auf die ekligen Dinge blieb gleich.

Grima ist also eine ähnliche Reaktion wie Ekel, sollte aber als eigenständige Emotion eingestuft werden, da es eine andere körperliche Reaktion auslöst und bewusst unterdrückt werden kann.

Um das zu testen, bekommt ihr jetzt Grima-Sounds vorgespielt (Klicken auf eigene Gefahr). Versucht, sie zu unterdrücken. Laut den Wissenschaftlern soll das ja funktionieren.

Sorry, ich konnte mir nicht mal die kompletten fünf Sekunden anhören. Nein, ich will gar nicht versuchen, das unterdrücken zu können. E-K-E-L-H-A-F-T.

Passend dazu haben wir ein schönes Video über ekliges Essen. Aber halt, für viele Menschen auf der Welt sind das richtige Delikatessen, die wir hier vorstellen. Schaut es euch einfach mal an:

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