Darum wirken Medikamente bei Männern besser als bei Frauen
via Pixabay

Darum wirken Medikamente bei Männern besser als bei Frauen

vor 4 Wochen

Medikamente werden fast ausschließlich an männlichen Mäusen getestet. Daher wirken viele von ihnen vermutlich weniger effektiv bei Frauen als bei Männern.

Aber warum nutzen über dreiviertel aller medizinischen Studien ausschließlich männliche Labormäuse? Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Viele Forscher glauben, der hormonelle Zyklus der weiblichen Mäuse könnte die Ergebnisse verfälschen. Außerdem gehen die meisten davon aus, dass sich Männer und Frauen so ähnlich sind, dass für den Mann wirksame Medikamente auch den Frauen helfen müssten.

Genau diese Annahme bezweifelten jetzt aber einige Wissenschaftler des Wellcome Trust Sanger Instituts, allen voran Biostatistikerin Natasha Karp. In ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler insgesamt 234 Körpermerkmale von mehr als 50.000 männlichen und weiblichen Mäusen miteinander. Dafür teilten sie die Mäuse in zwei Gruppen auf: eine Kontrollgruppe und eine genmanipulierte Gruppe.

Bereits bei der Kontrollgruppe stellten die Forscher mehr körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest als vorher angenommen, beispielsweise in Bezug auf Kopf- und Pfotenform, Knochenmasse oder Cholesterin-Wert. Um nun aber festzustellen, ob sich auch Krankheiten unterschiedlich bei den Geschlechtern äußern, wurde die zweite Gruppe von Mäusen genetisch manipuliert, indem ein Teil des genetischen Materials entnommen wurde. Auch diese künstlich herbeigeführte Genmutation äußerte sich bei Weibchen und Männchen in anderer Ausprägung.

Daher nehmen die Forscher an, dass sich Krankheiten – die jetzt durch den künstlichen Eingriff simuliert werden sollten – unterschiedlich auf den Körper von männlichen und weiblichen Mäusen auswirken. Karp schließt daraus: „Nur männliche Tiere zu erforschen zeigt nur die Hälfte des Bildes.“

Diese Studie ist die erste ihrer Art und legt nahe, dass sich spezielle genetische Krankheiten anders auf den Körper von Männern und Frauen auswirken und demnach auch anders behandelt werden müssen.

Andere Funde unterstützen diese Erkenntnisse. Denn zwischen 1997 und 2001 waren acht von zehn Medikamenten, die in den USA aufgrund erhöhter Gesundheitsrisiken vom Markt genommen wurden, für Frauen deutlich schädlicher als für Männer. Dies legt nahe, dass viele Medikamente generell schädlicher für Frauen sind als für Männer, weil ihre Verträglichkeit überwiegend an männlichen Mäusen getestet wird.

Alyson McGregor, Spezialistin für Notfallmedizin, erklärt das Ganze hier noch einmal in einem Ted Talk:

Da bleibt nur zu hoffen, dass diese und weitere Studien ein Umdenken in der medizinischen Forschung bewirken.

Medikamente werden aber nicht nur an Mäusen getestet, sondern auch an Menschen. Das ist sogar ein richtiger Job. Wir haben einen Mann begleitet, der Medikamententester ist und so einiges über sich ergehen lassen muss:

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen: