Wie 12.000 Tonnen Orangenschalen eine karge Fläche in unberührte Natur verwandelten
Daniel Janzen & Winnie Hallwachs

Wie 12.000 Tonnen Orangenschalen eine karge Fläche in unberührte Natur verwandelten

vor 3 Wochen

Was könnte es besseres geben als einen natürlichen Dünger, der auch noch aus einem Abfallprodukt entstanden ist? Richtig. Nicht allzu viel. Nun mag man denken „Was interessieren mich denn 12.000 Tonnen Orangenschalen?“, aber wartet ab, denn die Geschichte ist wirklich spannend und interessant.

Die Geschichte trug sich im Jahre 1997 in Costa Rica zu. Es war ein Experiment, eine Kooperation, die dann in Vergessenheit geriet.

Das Saft-Unternehmen Del Oro hatte seinen Produktionssitz in der Nähe des Guanacaste Conservation Area Nationalparks im Norden Costa Ricas. Zwei Jahre zuvor begannen sie mit der Orangensaftproduktion. Klar, dass da mehrere Tonnen Orangenschalen im Jahr als Abfall anfielen.

Sie grenzten direkt an das Naturgebiet und zwei Forscher der University of Pennsylvania – Daniel Janzen und Winnie Hallwachs – machten dem Konzern einen interessanten Vorschlag: Wenn sie einen Teil des angrenzenden Gebiets dem Nationalpark vermachen würden, dürften sie im Gegenzug ihre biologischen Abfälle kostenlos im Naturschutzgebiet deponieren. Dort gab es große kahle Flächen, auf denen fast kein Baum mehr wuchs.

Gesagt, getan. Hätte man ja auch eher darauf kommen können, biologische Abfälle als natürlichen Dünger zu nutzen. Also wurden über einen Zeitraum von einem Jahr 12.000 Tonnen Orangenschalen in über 1.000 Lkw-Ladungen abgeladen.

Nach nur sechs Monaten verwandelte sich die zunächst karge, dann mit Orangenschalen übersäte, etwa drei Hektar große Fläche in eine dicke, lehmige Erdoberfläche. Das war eine ziemlich eklige Angelegenheit: voll von Fliegenlarven, einem üblen Geruch und dickflüssigen, matschigen Überbleibseln der Orangen. Die Biologen aber waren zufrieden. Alles sah gut aus.

Doch dann kam alles anders. Ein Konkurrent von Del Oro – TicoFruit – verklagte die Firma. Mit der Begründung, sie hätten den Nationalpark versaut (im wahrsten Sinne des Wortes). Und ein Gericht gab ihnen Recht. Also musste das Projekt bereits in seinem zweiten Jahr abgebrochen werden. Natürlich hat sich keiner die Mühe gemacht, die Reste der Orangenschalen zu entfernen. Also wurden sie einfach sich selbst überlassen. Vergessen. Fast 15 Jahre lang.

Orangen

Costa Rica
So sieht das Gebiet jetzt aus.
© Daniel Janzen & Winnie Hallwachs

Dann – im Jahr 2013 – kam einer der Forscher der Princeton University nach Costa Rica zurück; für andere Forschungsprojekte. Also wollte er der einstigen Ödnis einen Besuch abstatten. Das Problem war nur: Er konnte sie nicht finden. Damals wurde ein zwei Meter hohes, gelbes Schild aufgestellt, das den Ort markieren sollte. Das war aber nicht auffindbar. Denn an die Stelle ist Dschungel getreten. Dichte, grüne, saftige Bäume, Büsche und Gräser. Überall wuchsen Ranken und Kletterpflanzen – die auch das Schild überwucherten. Das wurde erst Jahre später entdeckt.

Das kahle Brachland verwandelte sich in einen grünen Regenwald. Die Messwerte bestätigten die enorme Fruchtbarkeit des Bodens. Die Forscher hatten damals ein Vergleichsfeld angelegt – mit unbehandeltem Boden. In der Luftaufnahme erkennt man gut, wie sich das Orangenschalen-Land verändert hat:

Orangen

Luftaufnahme
Links die unbehandelte Stelle, rechts die mit den Orangenschalen.
© Tim Treuer

Dort gibt es nun eine viel größere Vielfalt an Pflanzenarten. Einen reichen Nährboden. Und einen Anstieg der Biomasse um 176 Prozent. Das ist die Stoffmasse aller Lebewesen in einem bestimmten Lebensraum.

Orangen

Step by Step
So hat sich die Gegend verändert.
© Daniel Janzen & Winnie Hallwachs

Wie die Orangenschalen eine so extreme Reaktion in so kurzer Zeit hervorrufen können, ist bislang noch ein Rätsel. Nun hoffen aber die Biologen, dass dieses Projekt als Inspiration für andere dienen könnte. Wir haben viele Abfälle – auch organische. Warum sie nicht nutzen für ein neues Ökosystem?

Aber zurück zum Alltäglichen: Habt ihr euch schon mal gefragt, warum O-Saft nach dem Zähneputzen so bitter schmeckt? Wir erklären es euch:

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