Jean-Jacques Hublin, MPI EVA Leipzig

Die ältesten Menschenknochen aller Zeiten wurden entdeckt – und verändern, was wir über uns wussten

vor 2 Wochen

Knochenfunde aus Marokko beweisen, dass es den Homo sapiens schon vor 300.000 Jahren gab. Das heißt, dass es uns Menschen mindestens 100.000 Jahre länger gibt als wir bisher dachten.

Bisher dachte man, dass sich der moderne Mensch vor rund 200.000 Jahren entwickelte. Doch eine Ausgrabung in Jebel Irhoud in Marokko, wirft diese Annahme jetzt über den Haufen. Dort werden seit den 60er Jahren immer wieder Spuren unserer Vorfahren entdeckt. Doch lange Zeit war die Datierung schwierig. Seit 2004 eine weitere große Ausgrabung begann, sammelte man dort versteinerte menschliche Schädelteile, Zähne, Kiefer und Langknochen von mindestens fünf Personen. Außerdem fand man Tierknochen und Steinwerkzeuge. So sehen die Funde aus:

Unterkiefer
Die Zähne sehen genau so aus wie die der heutigen Menschen.
© Jean-Jacques Hublin, MPI EVA Leipzig (CC-BY-SA 2.0)

Werkzeuge aus Stein
Diese Hilfsmittel nutzten die Menschen, die vor 300.000 Jahren in Marokko lebten.
© Mohammed Kamal, MPI EVA Leipzig (CC-BY-SA 2.0)

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Abdelouaded Ben-Ncer vom Nationalen Institut für Archäologie in Marokko untersuchte die Überreste ganz genau. Dabei wurde das Alter bestimmt. Für frühere Fundn berechnete man das Alter neu.

Dabei entdeckte man zwei Besonderheiten, was die Menschenknochen angeht: Erstens sind sie rund 300.000 Jahre alt. Zweitens gehören sie zum Homo sapiens – genau wie die heutigen Menschen. Das macht die Überreste zu den ältesten sicher datierten fossilen Belegen unserer eigenen Art. Wie ähnlich sie uns sind, sieht man an ihrer Kopfform und an den Zähnen besonders gut:

Rekonstruktion der Homo Sapiens aus Marokko
Die Schädelform ist wie bei heutigen Menschen, nur etwas länger. Das zeigt, dass sich die Gehirnform später weiterentwickelt hat.
© Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (CC-BY-SA 2.0)

„Wir dachten lange Zeit, dass die Wiege der Menschheit vor etwa 200.000 Jahren irgendwo in Ostafrika lag“, erklärt Jean-Jacques Hublin. Das liegt an den zuvor ältesten bekannten Funde des Homo sapiens. Sie stammen aus Äthiopien. Doch jetzt ist klar: Sie sind sicher nicht die ältesten Überreste des modernen Menschen. „Unsere Daten zeigen, dass sich Homo sapiens bereits vor etwa 300.000 Jahren über den gesamten Kontinent ausgebreitet hat.“, so Hublin.

Es gibt noch viel, was wir über unsere Herkunft herausfinden können. Und auch was die Entwicklung von Tieren angeht, kennt ihr bestimmt einiges noch nicht. Oder wisst ihr schon, weshalb manche Affen blaue Hoden haben? Wir erklären es euch:

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